Projekt „Lebenschancen im Quartier“ stellt Projektergebnisse vor

Das Projekt „Lebenschancen im Quartier“ der TU Dortmund hat am 19. Juni auf seiner Abschlusskonferenz im
Vaßbendersaal die Ergebnisse der knapp zweijährigen Arbeit präsentiert und sie anschließend mit interessierten Bewohner_innen und Akteuren bei einem Empfang im Projektbüro diskutiert.

 

Prof. Dr. Thorsten Wiechmann, Dr. Nina Schuster, Anne Volkmann, Foto: Roland Keusch

Ausgangspunkt der Forschung war die in der Stadtsoziologie grundlegende Frage danach, ob Quartiere die Ursache für soziale Benachteiligung sind oder ob sie lediglich der Ort sind, an dem Benachteiligung sichtbar wird. Dieser Frage sind die beiden Bearbeiterinnen des Projektes, Dr. Nina Schuster und Anne Volkmann, in den Remscheider Stadtteilen Rosenhügel und Hasenberg nachgegangen und haben dazu 40 intensive Interviews mit Bewohner_innen über deren Alltagsgestaltung geführt. Auf der Basis der Gespräche mit sehr unterschiedlichen Personen in vielfältigen Lebenslagen wurde von den beiden Forscherinnen analysiert, welche Möglichkeiten der Stadtteil seiner Bewohnerschaft bietet, und welche nicht. Es ging darum, zu klären, welche Ressourcen (soziale, Materielle, bildungsbezogene) die Bewohner_innen brauchen, um ihre Lebenschancen zu realisieren, aber auch, inwiefern sie ihre Ressourcen im Stadtteil erweitern können. Diese Analyse wurde durch Gespräche mit Akteuren im Stadtteil angereichert.
Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass viele der Interviewpartner_innen zufrieden mit den Möglichkeiten in ihren Wohnstadtteilen sind. Dennoch konnten Nina Schuster und Anne Volkmann auch feststellen, dass der Stadtteil auf einige Bewohner_innen benachteiligend wirkt. Insbesondere für diejenigen, die wenig Geld zur Verfügung haben, über wenig Bildung verfügen oder die Sprache nicht ausreichend gut beherrschen, um sich ihre Lebenspläne zu erfüllen und im Leben weiter zu kommen, können die Stadtteile je nach
Lebensphase und sozialer Schicht mit zu einer Benachteiligung beitragen. Zwar lassen sich strukturelle Probleme (wie Armut oder Arbeits-losigkeit) nicht auf Stadtteil- oder kommunaler Ebene lösen. Funktionierende Stadtteilzentren, eine gute ÖPNV-Anbindung der Stadtteile und bezahlbare Tickets sind aber sehr wirksam: Sie erlauben den Bewohner_innen, ihre sozialen Netzwerke auszubauen, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern bzw. mobil zu sein, um die eigenen Lebenspläne zu verwirklichen. Hier sollte die Politik ansetzen, wenn sie sozialer Benachteiligung auf Quartiersebene entgegenwirken will.
Mit den Ergebnissen des Projektes „Lebenschancen im Quartier“ will das MOSAIK-Projekt, was ebenfalls die Stadtteile Remscheids mit dem Fokus auf das Zusammenleben in den Blick nimmt, in den kommenden Monaten weiterarbeiten und ab 2019 gemeinsam mit den Bürger_innen und den Akteuren von Ort Strategien für eine sozial-räumliche Integration in den Stadtteilen entwickeln.
Das Projekt „Lebenschancen im Quartier“ und die beiden Bearbeiterinnen bedanken sich herzlich bei allen Personen, die ihre Arbeit in den Quartieren und in der Stadt Remscheid unterstützt haben!